Die Abgeschlossenheitsbescheinigung ist eine Bescheinigung der Baubehörde, dass die Voraussetzungen des § 3 Abs. 3 WEG vorliegen: Die Wohnungen oder sonstigen Räume sind in sich abgeschlossen, und Stellplätze sowie Flächen außerhalb des Gebäudes, die Sondereigentum werden sollen, sind durch Maßangaben im Aufteilungsplan bestimmt (§ 7 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 WEG). Sie ist neben dem Aufteilungsplan die zweite Anlage, ohne die das Grundbuchamt Wohnungs- oder Teileigentum nicht einträgt. Umgangssprachlich heißt sie auch Abgeschlossenheitserklärung.
Wofür Sie die Bescheinigung brauchen
- Aufteilung eines Hauses in Eigentumswohnungen nach § 8 WEG, etwa um Wohnungen einzeln zu verkaufen, zu vererben oder zu beleihen
- Teilungsvertrag unter Miteigentümern nach § 3 WEG, zum Beispiel unter Geschwistern
- Änderung einer bestehenden Aufteilung, wenn Einheiten neu zugeschnitten, zusammengelegt oder geteilt werden
- Dauerwohnrecht: Auch hierfür verlangt das Gesetz eine Bescheinigung (§ 32 Abs. 2 WEG)
Für eine bestehende Eigentumswohnung brauchen Sie keine neue Bescheinigung. Die vorhandene liegt in der Grundakte und kommt mit der Teilungserklärung, wenn Sie diese anfordern.
Wann eine Wohnung in sich abgeschlossen ist
Was „in sich abgeschlossen“ heißt, beschreibt die Allgemeine Verwaltungsvorschrift für die Ausstellung von Bescheinigungen nach dem Wohnungseigentumsgesetz (AVA) vom 6. Juli 2021. Sie hat die Verwaltungsvorschrift von 1974 abgelöst.
| Kriterium | Was verlangt wird (§ 5 AVA) |
|---|---|
| Bauliche Trennung | Die Einheit ist baulich vollkommen von fremden Wohnungen und Räumen abgetrennt, zum Beispiel durch Wände und Decken. |
| Eigener Zugang | Ein eigener, abschließbarer Zugang unmittelbar vom Freien, von einem Treppenhaus oder von einem Vorraum. |
| Zugangsweg | Der Zugang führt nicht über ein anderes Sondereigentum und nicht ohne dingliche Absicherung über ein Nachbargrundstück. |
| Zusätzliche Räume | Abschließbare Räume außerhalb des Wohnungsabschlusses, etwa Keller oder Dachboden, können dazugehören. |
| Läden, Büros, Lager | Für nicht zu Wohnzwecken dienende Räume gelten dieselben Kriterien. |
Typische Gründe, aus denen ein Bauamt die Bescheinigung verweigert: Zwei Wohnungen teilen sich einen offenen Flur ohne eigene Wohnungstür, ein Raum ist nur durch eine andere Wohnung erreichbar, oder der einzige Zugang führt ohne gesichertes Wegerecht über das Nachbargrundstück.
Viele ältere Ratgeber nennen zusätzlich Anforderungen an die Ausstattung, etwa Küche und WC innerhalb der Wohnung. Sie stammen aus der früheren Verwaltungsvorschrift von 1974. Die AVA von 2021 enthält solche Ausstattungsanforderungen nicht. Wie Ihr Bauamt mit der Frage umgeht, ob eine Einheit als Wohnung bezeichnet werden kann, steht in dessen Merkblatt.
Altbau: Schall- und Brandschutz
Bei älteren Gebäuden stellt sich oft die Frage, ob Trennwände und Decken heutigen Anforderungen an Schallschutz, Wärmeschutz oder Brandschutz genügen müssen. Die Antwort ist nein: Die Bescheinigung ist ungeachtet bauordnungsrechtlicher Vorschriften zu erteilen (§ 4 Abs. 2 AVA). Das geht auf einen Beschluss des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes vom 30. Juni 1992 (GmS-OGB 1/91): Wohnungen in bestehenden Gebäuden können auch dann in sich abgeschlossen sein, wenn Trennwände und Trenndecken nicht den Anforderungen des Bauordnungsrechts entsprechen.
Für die Abgeschlossenheit kommt es also auf die räumliche Trennung an, nicht auf den baulichen Standard. Bauordnungsrechtliche Pflichten, etwa bei einem Umbau oder einer Nutzungsänderung, bleiben davon unberührt.
Stellplätze, Garagen und Freiflächen seit 2020
Mit der Reform des Wohnungseigentumsgesetzes zum 1. Dezember 2020 hat sich die Lage für Stellplätze und Freiflächen geändert:
- Stellplätze gelten als Räume und können Sondereigentum sein, auch im Freien (§ 3 Abs. 1 Satz 2 WEG). Sie müssen durch Maßangaben im Aufteilungsplan bestimmt sein (§ 3 Abs. 3 WEG). Ein Stellplatz kann zu einer Wohnung gehören oder, wenn er über das Gemeinschaftseigentum zugänglich ist, eine eigene Teileigentumseinheit bilden. Das gilt auch für Plätze in einer Mehrfachparkanlage, etwa einem Duplexparker (§ 7 AVA).
- Freiflächen wie Gärten oder Terrassen außerhalb des Gebäudes können in das Sondereigentum einbezogen werden, solange die Wohnung wirtschaftlich die Hauptsache bleibt (§ 3 Abs. 2 WEG). Auch sie brauchen Maßangaben im Plan.
- Maßangaben müssen Größe und Lage der Flächen ausgehend von den Grenzen des Grundstücks oder eines Gebäudes bestimmbar machen (§ 6 AVA).
Vor der Reform galten nur Garagenstellplätze mit dauerhafter Markierung als abgeschlossene Räume. Gärten und Außenstellplätze ließen sich nur über Sondernutzungsrechte zuordnen. Diese Lösung ist weiter möglich, siehe Sondernutzungsrecht.
Was in der Bescheinigung steht
Die Bescheinigung folgt einem kurzen Muster, das die AVA in ihrer Anlage 1 vorgibt:
Auf Grundlage des beiliegenden Aufteilungsplans für das Grundstück in [Ort], [Straße, Hausnummer], [katastermäßige Bezeichnung] wird bescheinigt: Die Voraussetzungen des § 3 Absatz 3 des Wohnungseigentumsgesetzes liegen vor.
Dazu kommen Ort, Datum, Unterschrift und Siegel oder Stempel. Mit der Bescheinigung erteilt die Behörde eine als Aufteilungsplan bezeichnete, unterschriebene und gesiegelte Ausfertigung der Bauzeichnung. Dass beide zusammengehören, wird durch Verbindung mit Schnur und Siegel oder durch übereinstimmende Aktenzeichen sichtbar gemacht. Hat das Land den elektronischen Rechtsverkehr mit dem Grundbuchamt eingeführt und wurde elektronisch beantragt, erteilt die Behörde Bescheinigung und Plan elektronisch mit qualifizierter Signatur (§ 8 AVA).
Wer sie ausstellt und Länderunterschiede
Zuständig ist die nach Landesrecht zuständige Behörde (§ 2 AVA), in der Regel die untere Bauaufsichtsbehörde der Stadt oder des Landkreises. Die AVA gilt bundesweit. Unterschiedlich sind vor allem die Zuständigkeit im Einzelnen, die Formulare, die Zahl der verlangten Ausfertigungen, die Frage, ob elektronisch beantragt werden kann, und die Gebühren. Landesportale wie service-bw.de, das BayernPortal und die Serviceportale von Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen, Berlin und Hamburg beschreiben die örtlichen Anforderungen.
Bis November 2020 durften die Länder vorsehen, dass öffentlich bestellte oder anerkannte Sachverständige Aufteilungsplan und Abgeschlossenheit bescheinigen. Nach der Gesetzesbegründung hat kein Land davon Gebrauch gemacht. Die WEG-Reform hat diese Öffnung aufgehoben.
Abgeschlossenheitsbescheinigung beantragen lassenAbgeschlossenheit ist keine Baugenehmigung
Die Bescheinigung bestätigt nur die Voraussetzungen nach dem Wohnungseigentumsgesetz. Sie sagt nichts darüber, ob das Gebäude oder eine Nutzung baurechtlich genehmigt ist, und ersetzt keine Baugenehmigung. Weil bei bestehenden Gebäuden eine Baubestandszeichnung einzureichen ist (§ 3 Abs. 3 AVA), zeigt der Plan den tatsächlichen Zustand. Ungenehmigte Ausbauten werden durch die Bescheinigung nicht legal und sollten gesondert geklärt werden.
Abgeschlossenheitsbescheinigung und Teilungserklärung
| Abgeschlossenheitsbescheinigung | Teilungserklärung | |
|---|---|---|
| Von wem | Baubehörde | aufteilender Eigentümer, in der Praxis mit dem Notar |
| Inhalt | Voraussetzungen des § 3 Abs. 3 WEG liegen vor | Einheiten, Miteigentumsanteile, Gemeinschaftsordnung |
| Reihenfolge | zuerst | danach, mit Bescheinigung und Plan als Anlagen |
| Wo später | Grundakte | Grundakte |
Den ganzen Weg von der Planung bis zum Grundbuch beschreibt Haus in Eigentumswohnungen aufteilen. Wie Antrag, Unterlagen und Kosten aussehen, lesen Sie unter Abgeschlossenheitsbescheinigung beantragen. Mehr zur Zeichnung selbst unter Aufteilungsplan.
Abgeschlossenheitsbescheinigung beantragenHäufige Fragen
Für was braucht man eine Abgeschlossenheitsbescheinigung?
Um ein Gebäude in Wohnungs- oder Teileigentum aufzuteilen. Das Grundbuchamt trägt die Aufteilung nur ein, wenn der Eintragungsbewilligung Aufteilungsplan und Abgeschlossenheitsbescheinigung beigefügt sind.
Wann braucht man eine neue Abgeschlossenheitsbescheinigung?
Wenn eine Aufteilung neu begründet oder geändert wird, etwa weil Einheiten zusammengelegt, geteilt oder Räume zwischen Einheiten getauscht werden. Für den Kauf einer bestehenden Wohnung brauchen Sie keine neue Bescheinigung.
Muss ein Altbau heutige Schallschutzwerte erfüllen?
Für die Abgeschlossenheit nicht. Die Bescheinigung wird ungeachtet bauordnungsrechtlicher Vorschriften erteilt. Es kommt auf die bauliche Trennung und den eigenen Zugang an.
Kann ein Stellplatz Sondereigentum sein?
Ja. Seit dem 1. Dezember 2020 gelten Stellplätze als Räume und können Sondereigentum sein, auch im Freien und in Duplexparkern. Ihre Fläche muss durch Maßangaben im Aufteilungsplan bestimmt sein.
Wer darf eine Abgeschlossenheitsbescheinigung beantragen?
Der Eigentümer, der Erbbauberechtigte und jede Person, die ein berechtigtes Interesse glaubhaft macht, zum Beispiel ein Erwerber.
Läuft eine Abgeschlossenheitsbescheinigung ab?
Das Gesetz sieht keine Gültigkeitsdauer vor. Entscheidend ist, dass Bescheinigung und Plan den Zustand richtig wiedergeben, der aufgeteilt werden soll. Hat sich das Gebäude seitdem verändert, kann eine neue nötig sein.
- § 3 WEG (Vertragliche Einräumung von Sondereigentum)
- § 7 WEG (Grundbuchvorschriften)
- § 32 WEG (Dauerwohnrecht, Voraussetzungen der Eintragung)
- Allgemeine Verwaltungsvorschrift für die Ausstellung von Bescheinigungen nach dem Wohnungseigentumsgesetz (AVA) vom 6. Juli 2021, BAnz AT 12.07.2021 B2, geändert BAnz AT 28.12.2022 B3
- Gemeinsamer Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes, Beschluss vom 30.06.1992, GmS-OGB 1/91 (DNotZ 1993, 48)
- Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz (WEMoG) vom 16.10.2020, BGBl. I S. 2187, in Kraft seit 01.12.2020